Dresden im 19. Jahrhundert: ein junger Mann namens Anselmus gerät in den Sog einer magischen Welt, deren Reiz er sich nicht zu entziehen vermag. Zwar fordern die bürgerlichen Ideale der Zeit immer wieder ihr Recht, doch die Sehnsucht nach dem Übernatürlichen, Schillernden lassen ihn sich ganz von der Realität lösen und Einzug halten in das Phantasiereich Atlantis, nach dem sich "seine von seltsamen Ahnungen erfüllte Brust schon so lange gesehnt". Die inneren Seelenkämpfe, die der eher komisch und keineswegs heldenhaft anmutende Unglücksrabe Anselmus ausstehen muss, lassen ihn hin- und herwandern zwischen den Welten, die diesseits voller Philister und Spießer, jenseits voller widriger Geister und Gestalten sind.


Das Stück hält sich in großen Zügen an den Wortlaut der Erzählung "Der goldene Topf - ein Märchen aus neuer Zeit" aus der Sammlung "Fantasiestücke in Callots Manier" von E.T.A. Hoffmann. Die Geschichte ist humorvoll gestaltet und paraphrasiert die Ideale der Romantik und gleichsam sich selbst. Zudem greift das Stück drei Prosagedichte des französischen Dichters Aloysius Bertrand auf, die der Sammlung "Gaspard de la Nuit - fantaisies à la manière de Rembrandt et de Callot" angehängt sind und die sich wiederum an Hoffmann inspirieren. Die Gedichte, die die Titel "Ondine", "Le Gibet" (Der Galgen) und "Scarbo" tragen, greifen die Atmosphäre des Geisterhaften und Unheimlichen der Hoffmannschen Phantasiewelten auf, transzendieren sie aber mit lyrischen und rhythmischen Mitteln in eine noch irrationalere, phantastische Sphäre.




Die Musik ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Inszenierung: denn so wie der Text von Musikalität vibriert, so behandelt die Musik Erzähltes und Lyrisches mit ebensolcher Viruosität. Text und Musik kommen so in einen pulsierenden und spannungsvollen Dialog. Maurice Ravel greift mit seiner Komposition "Gaspard de la Nuit - trois poèmes pour piano" 1908 die drei Prosagedichte Bertrands auf und setzt sie in seine musikalische Sprache um. Diese Komposition ist eine der phantasievollsten der gesamten Klavierliteratur und stellt nach wie vor eine Herausforderung für jeden Pianisten dar. Robert Schumann wiederum inspiriert sich für seine "Kreisleriana" an Hoffmanns "Fantasiestücken" sowie an der Romanfigur des Kapellmeisters Johannes Kreisler, Hoffmanns alter ego, der auch durch die Erzählung "Der goldene Topf" irrlichtert. Dieses ebenso virtuose wie kraftvolle, in acht Teilen komponierte Werk, verlangt vom Spieler höchste Konzentration.





Jerker Nirbranth studierte an der Musikhochschule Stockholm bei Prof. Greta Erikson (Abschluß mit dem "Großen Auslandsstipendium"). Weitere Studien bei Radoslav Kvapil, Prag und Sergio Marengoni, Brescia (Italien). Engagements an verschiedenen schwedischen Stadttheatern. Konzerttätigkeit im In- und Ausland.

Roland Matthies hat als Schauspieler an verschiedenen Häusern und Ensembles gearbeitet. Gelernt hat der vielseitige Schauspieler bei dem Mimen Etienne Decroux und an der Internationalen Theaterschule von Jacques Lecoq in Paris. Ein wesentliches Moment seiner Inszenierungen ist die Zusammenarbeit mit Musikern verschiedener Sparten, zu denen u.a. die Pianistin Dorothée Hengen-Snow oder der Trompeter Markus Stockhausen zählen.


Gaspard de la Nuit. Zwiegespräche im Zwischenreich. Ein poetisch-musikalischer Dialog. Premiere: 29. September 1992, Theater der Hochschule für Musik Köln. Bühnenbild: Christina Wachendorff. Kostüme: Nina Ringel. Aufführungsdauer: 2 Stunden. Pause nach dem 4. Bild.



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